Marie Joseph Paul Yves Roch Gilbert du Motier de La Fayette

* 06.09.1757 in Chavaniac
† 20.05.1834 in Paris

Marie Joseph Paul Yves Roch Gilbert du Motier, Marquis La Fayette oder auch Lafayette stammte aus einer alten Adelsfamilie in Chavaniac im Departement Haute-Loire. Der Vater Michel Christophe Roch Gilbert Paulette du Motier, Marquis de La Fayette (1732-1759) fiel im Gefecht bei Minden zwischen französischen und britischen Truppen während des Siebenjährigen Krieges. Im Alter von 13 Jahren wurde der Knabe, während seiner Zeit im Collège de Plessis in Paris zum Vollwaisen. Im selben Jahr starb auch noch sein Großvater.

Auf Grund des beträchtlichen Vermögens seiner Familie brauchte er keine materiellen Einschränken in Kauf nehmen und konnte so seinen Neigungen im vollem Umfange nachgehen.

1771 begann er in den Reihen der Königlichen Musketiere seine militärische Laufbahn. Durch eine besondere Förderung des Duc d'Ayen (1739-1824) wurde er im Jahre 1773 zu den Noailles Dragonern versetzt und gleichzeitig zum Leutnant befördert. Im April 1774 erfolgte bereits die Beförderung zum Kapitän und am 11.04.1774 heiratet er Adrienne de Noailles, die Tochter seines Regimentskommandeurs und Gönners. La Fayette war ein populärer aber auch widerwilliger Höfling. Da er keine Stellung seinem Range entsprechend erreichen konnte, ließ er sich am 11.06.1776 aus dem Militärdienst verabschieden.

Seitdem Marquis La Fayette erstmals im Jahre 1775 vom amerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen gehört hatte, war er entschlossen diese Bewegung zu unterstützen. Durch den Abbé Raynal wurde er in jener Zeit von den Gedanken, dass alle Menschen gleich seien, nachdrücklich beeinflusst. Der Abbé kritisierte die Vorrechte des Adels ebenso wie die des Klerus und wandte sich gegen Sklaverei.

Im Dezember 1776 wurde La Fayette zum Generalmajor der Kontinentalarmee ernannt. Im Februar des Folgejahres brach er mit seinem Schiff »LA VICTOIRE« in Richtung der neuen Welt auf. Der General landete am 13.06.1777 in der Nähe von Charlestontown in South Carolina. Zunächst erhielt La Fayette kein Kommando.

Am 31.07.1777 traf er mit dem Befehlshaber der Rebellion, George Washington, zusammen und errang mit diesem am 11.09.1777 einen ersten Sieg bei Brandyvine über die britischen Truppen. In dem Gefecht wurde er am Bein durch eine feindliche Kugel verwundet und musste bis in den November hinein seine Kriegsverletztung kurieren. Washington empfahl ihn gegenüber dem Kongress als befähigt für die Aufgaben eines Divisionskommandeurs.

Zum Jahresende hin erhielt er das Kommando über die Truppen aus Virginia. Nachdem er zunächst in Valley Forge den Winter mit seinen Truppen verbrachte, nahm er im folgenden Jahr an den Gefechten von Barren Hill und Momouth Count House teil und traf auf Rhode Island mit den Truppen d'Estaings zusammen.

Nachdem Frankreich ein Bündnis mit den jungen Vereinigten Staaten von Amerika einging, begab er sich zurück in seine Heimat wo er die Geburt seines Sohnes Georges Washington La Fayette erlebte. In seiner beinahe einjährigen Zeit in Frankreich versuchte er die französische Armee auf eine Invasion Englands vorzubereiten, die jedoch nie durchgeführt wurde. Auch die späteren Bemühungen Bonapartes diesbezüglich sollten nie realisiert werden.

La Fayette kehrte bereits im April 1780 nach Amerika zurück und kämpfte zunächst gegen Benedict Arnold und dann gegen Cornwallis. Im gleichen Jahr kapitulierte auch Yorktown.

Im Jahre 1782 kehrte La Fayette nach Frankreich zurück, wo er von der Bevölkerung freudig umjubelt wurde. Er war ein entschiedener Lobbyist amerikanischer Wirtschaftsinteressen in Frankreich geworden. Ihm wurde von König Louis XVI. die Stelle eines Generalquartiermeisters einer spanisch-französischen Expeditionsarmee nach Britisch-Kanada übertragen. Im Jahre 1783 erfolgte seine Ernennung zum Generalmajor. Im gleichen Jahr schlossen England und die jungen Vereinigten Staaten einen Friedensvertrag.

Zwischen den Revolutionen gehörte La Fayette zum passiven Teil der Freimaurerloge. Zunächst gehörte er in Amerika einer militärischen Loge an, bei deren Aufnahmezeremonie George Washington persönlich anwesend war. In Frankreich schloss er sich der Loge »Contrat Social« an.

In den Salons der damaligen Zeit setzte er sich für liberalradikale Ideen ein. Zu seinen Interessen gehörte die Reform des französischen Bildungswesens und der Strafgesetzgebung. Auch setzte sich der Marquis für die Abschaffung der Sklaverei und einer toleranteren Haltung gegenüber den in Frankreich verfolgten Protestanten ein. So gelang es ihm, gemeinsam mit den reformierten PfarrernPaul Rabaut Paul Rabaut und dessen Sohn Jean-Paul Rabaut Saint-Étienne, den französischen Monarchen zur Abgabe des Toleranzedikts vom November 1787 zu bewegen. Dieses trat jedoch erst am 29.01. des Folgejahres in Kraft und wurde zwei Jahre später durch die Nationalversammlung proklamiert. Somit war es auch Nichtkatholiken möglich Positionen im Staate auszuüben.

Höhepunkt seiner Reisen durch Amerika und Europa war ein Zusammentreffen mit dem preußischen König Friedrich II. (1712-1786) in dessen Sterbejahr. In dieser Zeit war seine Popularität außerhalb Frankreichs nachweislich am größten.

Während der Französischen Revolution nahm La Fayette verschiedene Rollen ein. Zum einen galt er als Verteidiger der Freiheit und war ein hoch geachteter Soldat. Im den Jahren 1787 und 1788 gehörte La Fayette zu den Mitgliedern der Notabelnversammlung, in der er sich für eine Verdoppelung des 3. Standes einsetzte. Die Notabelnversammlung war durch den König beauftragt, die seit 1614 nicht mehr einberufenen Generalstände vorzubereiten. Am 04.05.1789 gehörte er als Vertreter des Adels zu den 1.200 Delegierten der Generalstände. Nachdem die Regierungsbehörden untätig waren, gehörte er zu denjenigen, die eine Vereinigung der Stände befürworteten und damit die Nationalversammlung begründete.

Am 11.07.1789 formulierte er die Allgemeine »Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte« und brachte sie in die Nationalversammlung ein. Nach dem Sturm auf die Bastille am 14.07.1789 übertrug man ihm das Kommando über die Nationalgarde von Paris. Als Kommandeur der Nationalgarde gehörte es zu seinen Aufgaben, die Ruhe in den Straßen von Paris wiederherzustellen. Eine Aufgabe, die durch seine Popularität und sein Ansehen wesentlich vereinfacht wurde. Während der Unruhen im Oktober 1789 übernahm er den Schutz der königlichen Familie, die durch den Zug der Pariser Frauen von Versailles nach Paris begleitete wurde. Seiner Popularität ist es auch zu verdanken, das der Spagat zwischen demokratischen Kräften und Monarchisten ohne großes Blutvergießen verlief.

Für La Fayettes Popularitätsverlust war ein Zwischenfall auf dem Marsfeld am 17.07.1791 verantwortlich. Er befahl der Nationalgarde auf eine ungestüme Menschenmenge zu feuern. Dabei wurden mehrere 100 Verwundete und Tote gezählt. Auch wurde er für die Flucht der königlichen Familie am 20.06.1791 mitverantwortlich gemacht. Louis XVI. versuchte mit seiner Familie nach Österreich zu entkommen, wurde jedoch gefangen gesetzt. Im Oktober 1791 gab er das Kommando der Nationalgarde ab und wurde anscheinend mit allen Ehren entlassen.

Bei Ausbruch des Krieges im Jahre 1792 wurde dem General ein Frontkommando übertragen. Seine oppositionelle Haltung gegenüber dem aufstrebenden Jakobinern unter Robespierre brachte ihn in Konflikt mit der neuen Regierung in Paris. So wurde der Frontgeneral verdächtigt, ein Komplott gegen die Regierung in Paris zu planen, wonach er seine Armeen gegen Paris marschieren lassen wolle und die revolutionäre Regierung abzusetzen. Nach der Inhaftierung des Königs am 10.08.1792 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, ohne Beteiligung La Fayettes und Dumouriez.

Es blieb den verdienten Offizier nicht anderes übrig als seine persönlichen Konsequenzen aus den neuen Machtverhältnissen in Paris zu ziehen. So entschied er sich in Flandern in österreichische Gefangenschaft zu begeben um sein Leben zu retten.

Zunächst wurde La Fayette in der am Niederrhein gelegenen preußischen Festung Wesel inhaftiert ehe der Gefangene dann vor den anrückenden französischen Revolutionstruppen nach Magdeburg in Sicherheit gebracht wurde. Weitere Stationen seiner Gefangenschaft waren die preußischen Festungen Neiße und Olmütz. Nach seiner Freilassung im Jahre 1797 lebte er zunächst im holsteinischen und anschließend holländischen Exil, während sich seine Frau Adrienne wieder in Frankreich aufhielt um die Rückkehr ihres Mannes nach Frankreich zu ermöglichen versuchte. Das Direktorium hatte zwischenzeitlich seinen gesamten Besitz in der Bretagne und Auvergne veräußert. So blieb ihm nur der Familienbesitz in Chavaniac.

Erst nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire 1799 durch General Bonaparte wandelte sich in Frankreich das Klima und dem verdienten Revolutionsgeneral wurde eine Rückkehr ermöglicht. Er zog sich nach La Grange - einem Teil des Erbes seiner Gattin - zurück, wo er die Jahre des Konsulats und der des Kaiserreichs in weitestgehender Zurückgezogenheit verlebte. Er widmete sich der Landwirtschaft, mit der er sich während seiner Gefangenschaft intensiv auseinandergesetzt hatte.

Durch die finanzielle Unterstützung von Freunden geriet La Fayette in große Schulden, die er nun abtrug. Im Jahre 1804 schenkten ihm die Vereinigten Staaten von Amerika ein großes Stück Land in Louisiana, das er in kleinen Teilen an seine Gläubiger aufteilte. Im Jahre 1807 starb seine Gattin Adrienne an den Folgen ihrer Inhaftierung während der Revolutionsjahre. La Fayettes Rückzug ins Privatleben war mit seiner Ablehnung der Politik des Kaisers Napoléon erklärlich.

Mit der Restauration trat La Fayette wieder auf die politische Bühne zurück. Als Abgeordneter der Deputiertenkammer nahm er die Abdankung Napoléons mit besonderer Freude zur Kenntnis. Er gehörte von 1818 bis zu seinem Tode der Deputiertenkammer an. Seine Mitgliedschaft wurde nur durch einen längeren Amerikaaufenthalt unterbrochen, den er in den Jahren 1824 und 1825 antrat. In vielen Städten wurde er als "ein weiterer Vater der Nation" bejubelt.

Nach Ausbruch der Pariser Juli-Revolution im Jahre 1830 wurde La Fayette erneut Kommandeur der Nationalgarde. In dieser Rolle unterstützte er auch die Thronbesteigung des »Bürgerkönigs« Louis Philippe. In der nachnapoléonischen Epoche galt der Marquis als Führer der liberalen Opposition in Frankreich. Er unterstützte auch die Revolutionen in Belgien (1831), Polen (1831) und Italien (1831). Die belgische Politik verfolgte er seit der Brabanter Revolution im Jahre 1789 mit großer Aufmerksamkeit. Während der europäischen Revolutionen stand er mit zahlreichen ihrer politischen Köpfe in engen Briefverkehr.

Marquis La Fayette starb am 20.05.1834 in Paris und wurde auf dem Friedhof Cimetiére de Picpus beigesetzt.


 

 

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